
Nach einer sehr kurzen Nacht in Cebu kommen wir am späten Nachmittag auf der Insel Leyte an. Jetzt nur noch 3 Stunden mit dem Shuttle zur Unterkunft im südlichen Teil der Insel und dann wäre der Tag auch geschafft. Um kurz nach 21 Uhr kommen wir an, bekommen eine kurze Einweisung ins Zimmer und das war’s auch für heute. Eventuell veranstalte ich einen kleinen Freudentanz vorm ins Bett gehen, denn die Unterkunft ist sauber (!!), geräumig (!) und hat als i-Tüpfelchen auch noch einen großen Balkon mit Blick auf’s Meer.






Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf gibt’s als erstes einen Instant-Kaffee im Zimmer – den Meerblick und das Meeresrauschen muss ich erstmal in Ruhe genießen bevor wir zum Resort laufen (wir sind in einem ausgelagerten Gebäude etwa 2 Minuten zu Fuß vom eigentlichen Resort entfernt).
Als vermutlich letzte Gäste an diesem Morgen schlurfen wir um 10 Uhr an und ordern Frühstück. Ob wir heute Nachmittag schon tauchen wollen (ist ein Tauchresort, die Frage liegt also auf der Hand)?
Hmn joa, so ein Refresher Kurs wäre eigentlich schon gut. Immerhin haben wir Tauchen gelernt, einige Tauchgänge absolviert und dann erstmal 2 Jahre nichts mehr. Würde sich also anbieten und würde mir außerdem ein besseres Gefühl für die nächsten Tage und Tauchgänge geben.
Endlich wieder tauchen
Kurzentschlossen wird außerdem die Entscheidung getroffen, dass wir die nächsten Tage keine regulären Tauchgänge machen, sondern unseren Tauchschein erweitern und uns (hoffentlich) bald Advanced Open Water Diver schimpfen dürfen.
Mein Traum ist es ja, zurück auf die Galapagos Inseln zu reisen und von dort eine 8-tägige Bootstour zu Darwin’s Arch zu machen, um mit Walhaien zu tauchen… Dafür braucht man aber den Advanced Tauchschein und mindestens 50 geloggte Tauchgänge. Let’s do this!
Am Mittag schaut Pedro, unser Dive Master, für den Auffrischungstauchgang und die kommenden Tage bei uns im Zimmer vorbei und stellt sich vor. Er holt uns dazu ab, wie der Ablauf am Nachmittag für den Refresher Dive wird, was wir üben und wann wir im Resort sein sollen. Die übrigen Punkte für den Advanced Open Water Schein besprechen wir dann nach dem ersten Tauchgang.
Schnelles Fast Forward: es war eine gute Idee mit dem Refresher Kurs, da waren definitiv einige Theorielücken entstanden in der Zwischenzeit und es war auch gut nochmal zu üben, wie man seine Brille bei eindringendem Wasser freibekommt unter Wasser oder wie man seinen Regulator (das Ding mit dem man atmet) unter Wasser wieder einfängt, falls es einem aus dem Mund rutschen sollte.
Meine Kiefermuskeln danken es mir, denn nach dem Refresher Kurs muss ich nicht mehr so feste zubeißen vor lauter Angst, der Regulator haut ab. So far, so good – der neue Tauchkurs kann also morgen beginnen.
Außerdem haben wir beim Refresher Tauchgang, bei dem ja einiges an Zeit schon für die Wiederholung draufgeht, einen Lionfish, Frogfish, Scorpionfisch, Anemonenfische (Nemo), Papageifische (meine Lieblinge), Zipfelfische (so heißen sie nicht wirklich, aber sie haben eben so einen Zipfel), Kugelfische, Candycrabs und Seegurken gesehen. Eine gute Ausbeute und die Freude auf die nächsten Tage ist umso größer.
Zur Veranschaulichung habe ich ein paar stellvertretende Exemplare aus dem Internet rausgesucht. So sehen die Unterwasserbewohner aus, die wir gesehen haben:








Advanced Open Water Divers incoming!
Tags drauf geht es früher los, sind ja nicht zum Urlaub hier. Aber zuallererst einmal Morgenritual: Kaffee auf dem Balkon, Aussicht und Meeresrauschen genießen, dann Sonnenschutz drauf, Sachen packen und ab zum Resort.
Um 8 Uhr ist Abfahrt mit beim Boot beim Resort, dann fahren wir raus in die Bucht und gehen unsere ersten beiden Tauchgänge für den Tauchschein an: Fish Identification und Peak Performance Buoyancy (basically, wie kommt man zum idealen Auftrieb und „liegt“ damit möglichst gut im Wasser).
Allerdings schlaucht die Taucherei, vor allem wenn man außer Übung ist – nachdem wir wieder im Resort ankommen, gibt es erstmal ein riesen Mittagessen und danach einen noch größeren Nap, Ben und ich sind beide komplett platt.
Wie das so ist nach einem 1,5h Nickerchen am Mittag, ist danach dann auch nicht mehr viel zu holen – das ist einfach nicht die Zeit, um mental nochmal richtig hochzufahren. Also wird nur ein bisschen Adminkram abgearbeitet, alles andere muss warten.
Unser Dive Master Pedro hat vorgeschlagen abends gemeinsam essen zu gehen – in der Nähe gibt es ein deutsches Lokal (wir sind hier gefühlt ziemlich ab vom Schuss, es gibt also a) nicht viele Lokale in der Gegend und b) mit einem deutschen Restaurant hätten wir schon dreimal nicht gerechnet). Aber hey, es gab schon lang keine Käsespätzle mehr… vielleicht hab‘ ich ja Glück heute Abend.
Dort angekommen, werden wir Adrian -dem Sohn des Besitzers- vorgestellt. Der spricht nicht nur deutsch, sondern astreines badisch und kommt aus Karlsruhe. Logisch, denn in Baden ist die Welt ja bekanntlich zuhause.



Advanced Taucher
Nach dem Abendessen heißt es für Ben und mich erstmal lernen. Auch die zweite Tauchzertifizierung erfordert Theoriewissen, selbst wenn die Kapitel nur gelesen werden und es keinen Test in dem Sinne gibt wie beim ersten Tauchschein. 🙃
@MAMA: überspring die folgenden Absätze und das Bild bitte 😘
Wir sitzen also noch eine Weile auf dem Balkon und lesen uns die entsprechenden Kapitel für den folgenden Tag durch: Deep Diving und Underwater Navigation. Irgendwann zwischen den Kompassnadeln und der Messung von Distanzen unter Wasser sehe ich im Augenwinkel, wie etwas an meinem Gesicht vorbeifällt und auf meiner Brust landet.
Ich schaue an mir runter und erkenne sofort acht Beine, die da einem Körper sind.
Der Rest geht schnell, kaum ist Thekla auf mir gelandet, lernt sie auch schon das Fliegen. Natürlich geht das Ganze nicht vonstatten, ohne dass ich einen dieser unwillkürlichen -aber witzigen- Ekellaute von mir gebe. Thekla war nicht riesig, aber zu groß, um sie außer Acht zu lassen. Gut 5-6cm Spannweite würde ich schon schätzen… wo ist sie hin?!
Ben sagt, sie wäre ihm über den Rücken gelaufen, aber eigentlich hatte ich sie Richtung Boden befördert… aber da ist sie nirgends. Wir suchen einen Moment, dann ist sie da und hockt zwischen Bens Füßen auf dem Boden. Vielleicht ist sie doch auf ihm gelandet?
Erstmal geortet, wird unser neuer Freund erstmal eingefangen und flitzt wie ein Blitz durch den Becher. Ich bin mir nicht sicher, ob die Spinne Angst hat oder sprichwörtlich rasend vor Wut ist. So hektisch wie sie ihre Fänge bewegt, denke ich eher an Aggression. (Ja, natürlich beobachte ich sie, Spinnen sind zwar nicht meine Lieblingstiere aber doch irgendwie faszinierend).

Ein angenehmer neuer Freund, den wir da gefunden haben. Damit Thekla so schnell nicht wiederkommt, tragen wir sie in ihrem Becher erstmal die zwei Stockwerke nach unten und über die Straße – weit weg von unserem Zimmer und dem Balkon, nochmal begegnen muss man sich ja nicht. Nach so viel Adrenalin wird der Abend dann auch beendet. Und auf dem Balkon möchte ich heute Abend auch nicht mehr sitzen, also ab in die Heia.
@MAMA: du kannst wieder weiterlesen 😇
Von Steilwänden und Nachttauchgängen
Am nächsten Morgen folgt dasselbe Spiel: erstmal Kaffee auf dem Balkon. Mit einem Zusatz: ich schaue erstmal seeehr genau nach meiner Umgebung und unter dem Stuhl, ob da noch jemand außer mir ist. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich alleine bin, wird also der Kaffee mit Aussicht genossen. Im Stehen, weil safety first und so.
Heute wird ein längerer Tag, morgens zwei Tauchgänge und abends ein Night Dive, dazwischen noch mehr Tauchtheorie.
Die Dives sind -wieder- ein absoluter Traum. Einer der Tauchgänge ist nochmal ein Wall Dive, also an einer Steilwand entlang. Was ich jedesmal faszinierend finde beim Tauchen an Steilwänden: sobald man das Plateau, auf dem man startet, verlässt und über die Klippe schwimmt, ist mein erster Gedanke trotz Schwerelosigkeit im Wasser „hier geht’s aber tief runter, bloß nicht fallen“.
Eine Schildkröte haben wir heute auch zu Gesicht bekommen und einen Giant Frogfish. Die sind der Knaller, habe selten einen Fisch mit so charismatischem (aber grumpy) Gesicht gesehen!
Beim Nachttauchgang haben wir auch nochmal Glück und bekommen einen knallgelben Frogfish (Anglerfisch) aus nächster Nähe zu beobachten. Unser Dive Master hat einen stabilen Scheinwerfer dabei, etwas zu sehen ist also kein Problem.
Als der Frogfish sich irgendwann von uns zu sehr beobachtet fühlt, marschiert er davon. Ja – er marschiert, denn Anglerfische sind „zu Fuß“ geschickter unterwegs als beim Schwimmen. Verrückt, oder?!
Außerdem sehen wir einen winzigen Tintenfisch, einige riesige Seegurken und noch ein sehr spezielles Tier: der Basketstar. Sieht aus wie eine Pflanze, ist aber ein Tier und gehört grob in die Gattung der Seesterne. Mutter Natur hat sich beim Thema Kreativität wirklich nicht lumpen lassen.

Der Basket Star

Zum Abschluss des Nightdives knien wir unter Wasser im Sand und schalten die Lampen aus. Wenn sich die Augen erstmal an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann man im Mondschein unter Wasser doch deutlich mehr erkennen als erwartet. Und man kann den fluoreszierenden Plankton sehen… jedesmal wenn wir mit der Hand durchs Wasser wischen, glitzert und funkelt es für einen kurzen Moment.
Die Unterwasserwelt hier ist einfach wunderschön, anders kann ich es nicht beschreiben.
Grande Finale auf Leyte: die Walhaie
Walhaie kann man auf den Philippinen an einigen Stellen sehen. Schwieriger wird es, einen Spot zu finden, an dem sie nicht für den Tourismus angefüttert werden. Southern Leyte war die Lösung (wir hatten auch Glück mit dem Timing, Walhaie sind nicht ganzjährig hier zu finden) und auch zum Tauchen war es hier traumhaft schön.
An unserem letzten Aufenthaltstag ist es also soweit: unsere Schnorcheltour zu den Walhaien steht an (auf den Philippinen darf man nicht mit ihnen tauchen, vermutlich damit sie nicht zu sehr bedrängt werden – ist auch gut so).
Morgens fahren wir mit dem Boot auf die andere Seite der Bucht, dort werden nämlich zwischen November bis Ende April quasi täglich Walhaie gesichtet.
Walhaie gehören zu den Haien und sind damit die größten Fische, die es gibt (einige Wale sind zwar noch größer, aber sie sind Säugetiere und keine Fische). Sie können bis zu 19m lang werden, im Durchschnitt sind sie allerdings etwas kleiner – im Vergleich zu uns aber immer noch riesig.
In der Bucht ist neben unserem nur noch ein weiteres Boot unterwegs. Der Rest sind kleine Einmannfischerboote, die Fischer helfen beim Spotten der Walhaie in der Bucht.
Gleich in den ersten 20 Minuten der Tour haben wir Glück und bekommen den ersten Walhai zu Gesicht! Also alle ab ins Wasser und in die Richtung des Walhais schwimmen.
Gigantisch groß, wunderschön und friedlich zieht er unter den Schnorchlern oben an der Wasseroberfläche vorbei. Und während der Walhai sich unendlich gemächlich bewegt, müssen wir Schnorchler ganz schön paddeln, um mitzuhalten.
Dreimal haben wir gleich zu Beginn des Ausflugs Glück und bekommen Walhaie zu sehen (es sind zwei verschiedene Tiere, nicht immer dasselbe). Dann ist erstmal eine Weile Ruhe… und als unser Boot etwa 1,5 Stunden später wieder ablegen möchte ans andere Ende der Bucht, haben wir nochmal Glück – einen Walhai bekommen wir zum Abschluss nochmal zu bestaunen. Safe to say, die Stimmung auf dem Boot ist ziemlich beseelt auf der Rückfahrt.
Am Tag danach heißt es Abschied nehmen vom Paradies. Es gibt nochmal Kaffee und ein Stärkung im zugehörigen Lokal, wir loggen alle unsere Dives mit den zugehörigen Details… und damit sind wir jetzt zertifizierte Advanced Open Water Diver 😱
12.30 Uhr machen wir uns auf den Weg, denn jetzt wartet Manila auf uns.


