Chiang Mai

Als wir am Mittag in Chiang Mai ankommen und aus unserem Nachtzug aussteigen, begrüßt uns ein sehr angenehmes Klima – kein bisschen schwül und vor allem weniger heiß als Bangkok. So weit, so pleasant!
Wir laufen aus dem Bahnhof und werden direkt in ein Sammeltaxi bugsiert, das in die Altstadt fährt, wo unsere Unterkunft liegt. Schon auf dem Weg dorthin fällt auf: es ist deutlich entspannter hier, was auch Ben und mich instant entschleunigt.

Es fällt aber auch direkt auf, dass die Stadt (oder zumindest die Altstadt) ein bisschen den Vibe von Tulum versprüht. Viele Nicht-Einheimische, viel Boho, viel Leinen, viele fancy Coffeeshops. Tulum waren in 2022 nicht unbedingt unser Favorit, aber wir lassen uns gerne überraschen – der erste Eindruck ist schließlich auch nur der erste Eindruck und lässt sich mit dem zweiten, dritten und vierten Eindruck auch wieder ändern.
Bevor zuviel Spannung aufkommt: das Tulum Feeling sind wir nicht komplett losgeworden, aber Chiang Mai hat uns im zweiten, dritten und vierten Eindruck dann wirklich sehr gut gefallen und wir haben unseren Aufenthalt von einer auf zwei Wochen verlängert. Would recommend, solide 7,5/10.

Am ersten Tag tun wir also, was man auch in Tulum tun würde – ein bisschen durch die Stadt laufen und die Hipster-Cafés erkunden. Das dauert eine Weile, denn in Chiang Mai gibt es nicht nur über 200 buddhistische Tempel, sondern eben auch 2.489.453.783 hippe Cafés. Allein 5 davon in nicht einmal 2 Minuten Entfernung zu Fuß von unserer Unterkunft. Nachdem also die Eckpunkte „Tempel“ und „Kaffee“ geklärt sind, geht es weiter mit der Erkundungstour: wo sind die besten Spots zum Arbeiten, zum Essen und zum Sporteln. Check, check, und check. Außerdem findet sonntags ein riesiger Nachtmarkt statt, wir müssen nur aus der Unterkunft stolpern und sind schon da. Wir schlendern also eine Weile und probieren uns durch alle möglichen Spezialitäten. Für den ersten Tag waren wir also ganz schön erfolgreich.

Muay Thai Training

Tags drauf besuchen wir -endlich!- ein Muay Thai Studio für unsere erste Trainingseinheit auf dieser Reise. Ehrlicherweise, ich hab mir ja mehr zugetraut… aber die letzten Einheiten waren eben doch in 2020 vor Corona. Ich bin also schon nach dem Warmup (20 Minuten) heftig am Transpirieren und komplett aus der Puste. Warum ist das so anstrengend?!
Nach dem Warmup folgen die Boxeinheiten mit den Bratzen: links, rechts, Ellbogen, Haken, Knie, Kick, und nochmal das Ganze!!
Die Boxeinheiten sind kein bisschen weniger anstrengend, aber zum Glück gehen auch diese zwei Stunden irgendwann zu Ende. Eigentlich sollte die Einheit ja nur 1,5 Stunden dauern, aber der Trainer hat offensichtlich Spaß daran, die 25 Weißbrote vor ihm so richtig kaputtzumachen und gönnt uns also 30 Minuten for free.
Fazit: das Training hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, war unfassbar anstrengend und der Muskelkater langanhaltend. Gute 4-5 Tage kann ich meine Beine nicht richtig strecken und nicht in die Hocke, weil ich so derbe Muskelkater in den Waden habe. Ben geht es ähnlich, wenn auch ein bisschen besser. Die zweite Einheit war für zwei Tagen später geplant und wird verschoben, auf wenn der Muskelkater erträglicher geworden ist… Es wird unsere einzige Muay Thai Einheit bleiben in Chiang Mai 😅 Wenigstens sind wir im Fitnessstudio zum Sport gekommen, aber da schreit einen auch keiner mit heiserer Stimme an, dass man höher, härter, schneller kicken muss.

Monk Walking Tour

Während unseres Aufenthalts in Chiang Mai unternehmen wir außerdem eine Walking Tour mit einem ehemaligen Mönch. Charin, so sein Name, besucht mit uns einige Tempel, Märkte und eine buddhistische Zeremonie zum Abschluss. Währenddessen erklärt uns einiges über die Entstehung der Stadt, ihre Ausrichtung nach Feng Shui und das Leben als buddhistischer Mönch.
Viele der jungen Mönche in Thailand leben nur temporär auf diese Weise. Mir jedenfalls war nicht klar, dass „buddhistischer Mönch zu werden“ nicht gleichbedeutend damit ist, sich auf Lebzeit dieser Lebensform zu verschreiben. Auch Charin hat 6 Jahre als Mönch gelebt, und ist anschließend wie viele andere Mönche, wieder in ein weniger religiös geprägtes Leben zurückgekehrt. Viele junge Männer nutzen das Leben im Tempel als eine Art Ausbildung, als Weg zu sich selbst und um den Buddhismus besser zu verstehen.
Nach vier Stunden durch die Stadt spazieren ist der Kopf aber langsam auch voll von all den neuen Informationen, jetzt gibt’s erstmal Abendessen.

Daily Doing

Unsere Tage hier in Chiang Mai entwickeln ihre Routine: Morgens am Laptop in der Unterkunft, Mittagspause im Restaurant, nachmittags arbeiten in einem der vielen Cafés (nur ein einziges Mal bei Starbucks ☝️), Bewegung/Sport, Abendessen, Ende.

Bei unseren täglichen Ausflügen entdecken wir auch die ein oder andere kulinarische Perle: Khao Soi ist eine thailändische Spezialität aus dem Norden des Landes, eine Suppe auf Basis von rotem Curry und unheimlich lecker. Morningglory (Wasserspinat) und Som Tam (Papaya Salat) sind sowieso regelmäßig auf dem Tisch und die spicy Skills sind zwischenzeitlich wieder so am Start, dass sogar die Bedienung in unserem Lieblingslokal ihre Bewunderung für unsere verdrückten Chilischoten zum Ausdruck bringt. Ein bisschen fühlt sich das an wie ein Ritterschlag 🙂
Wir finden aber neben all den klassischen thailändischen Lokalen auch ein rein veganes Restaurant, das weltklasse Pizza und Pasta mit selbstgemachtem Cashew-Ricotta serviert, ein bisschen wie im Himmel ist das.

Kochkurs

Gelegentlich darf es als Abwechslung also schon eine andere als die asiatische Küche sein, aber damit wir später zuhause auch was langfristiges von der Reise haben, machen wir auch noch einen Kochkurs – das wäre dann die zweite Activity, die wir auf unserer To-Do-Liste abhaken können. Jetzt können wir astreine Frühlingsrollen, Pad Thai und Mango Sticky Rice. Obacht Stuttgart, wir hoffen ihr erklärt euch als Testesser:innen bereit ♡ (Keine Sorge, die ein oder andere Proberunde drehen wir vorher nochmal am heimischen Herd.)

Aprospos heimischer Herd: den gibt es in Thailand quasi nicht. Die meisten Wohnungen verfügen nicht über eine Einrichtung zum Zubereiten von Speisen. Ein Wasserkocher ist so ziemlich das Maximum. Wir hatten uns schon ein wenig gewundert, warum wir auch in Apartments nicht wenigstens eine Küchenzeile hatten… aber das ist hier auch in „normalen“ Wohnungen so. Das erklärt also auch, woher die Straßenküchen und die Esskultur kommen. Ben und ich hatten häufiger den Eindruck, dass die gesamte Stadt (egal wo wir waren) auswärts isst anstatt selbst zu kochen. Ist wohl tatsächlich so, interesting!

Nachdem wir also jeweils 5 Gänge gekocht – und verputzt- haben, sind wir ganz schön hergestellt. Da muss erstmal ein bisschen über den Nachtmarkt geschlendert werden, bevor es dann auch ab in die Heia geht.

Verrückte Einheimische & Kinoabende

Am Abend drauf schnappen wir uns Rollertaxis und fahren in die nahegelegene Mall, es geht nämlich ins Kino. Ein Film mit Jason Statham: also voraussichtlich in der Storyline eher flach, aber dafür sehr actonreich. Actionreich ist auch wieder mal die Tour mit dem Rollertaxi. Zum zweiten Mal erwische ich den Knallkopf, der wild durch die Stadt düst, in den Gegenverkehr und auf Gehwege, alles scheißegal. Da fühlt man sich direkt wohl, vor allem ohne Helm. Bis mein Rollertaxi und ich an der Mall ankommen, ist Ben schon da – der ist nämlich mit seinem Rollertaxi sogar auf der Autobahn gewesen. Ebenfalls ein gutes Gefühl mit so viel Frischluft um den Kopf. Vom Winde verweht stehen wir also da und müssen lachen, als wir feststellen, dass wir beide ganz schön krampfig hinten auf den Rollertaxis sitzen.
Umso atemberaubender finde ich, dass die Thais hier vöööööllig tiefenentspannt auf den Rollertaxis sitzen: Immer am Handy, knapp an oder schon über der hinteren Sitzkante, nie am festhalten und die Damen mit Rock gerne wie im Damensattel.
Ben entdeckt sogar eine junge Frau auf der Autobahn, die ohne Helm, im Damensitz (also beide Beine zu einer Seite rausgestreckt), am Handy und ohne festhalten auf dem Rollertaxi sitzt. So viel Zen wünsche ich mir auch in meinem Leben.
Nach so viel Abenteuer auf zwei Rädern holt uns der Actionfilm also mental genau am richtigen Ort ab. Für die Heimfahrt nehmen wir dann ein Autotaxi, reicht ja dann auch mit Adrenalin für einen Tag.

Flower Festival & Parade

Unser letztes Wochenende in Chiang Mai verbringen wir weitestgehend auf dem Flower Festival. Ein wunderschönes Fest mit reichlich verzierten Umzugswägen. Ein Fest zur Feier der wunderschönen Blumenvielfalt in und um Chiang Mai. Außerdem wird damit der Anfang der warmen Jahreszeit eingeläutet.
Wir sind vormittags schon dort und schauen uns die Parade aus 25 verzierten Wägen und der riesigen Marschkapelle an, danach brauchen wir erstmal Sonnenpause, bevor wir am Abend nochmal zum Festivalgelände möchten, um uns die nächtliche Beleuchtung anzusehen.

Grusel-Gym

In der Zwischenzeit fahren wir in ein Gym, in dem wir vorher noch nicht waren. Ob ich dort ein zweites Mal hingegangen wäre, ich weiß es nicht – war nämlich ganz schön spooky da.
Das Fitti liegt in einem riesigen Gebäude, das einmal Mall und Hotel unter einem Dach war. Das Hotel existiert noch, aber der andere Teil des Gebäudes ist von Gras bewuchert und komplett leer. Eine seltsame Mischung von außen mit einem sehr speziellen „Charme“. Auch das Hotel ist eigenartig, vollkommen ruhig, man sieht nur 3-4 Menschen in der Eingangshalle und es ist totenstill. Außerdem ist es dunkel und es gibt kaum Tageslicht im Eingangsbereich. Wir fahren in den sechsten Stock und werden begrüßt von einem Geruch aus „schon lange keiner mehr hier gewesen und noch länger nicht mehr gelüftet“ und einer Stille aus The Walking Dead. Gaaaanz komische Nummer hier, aber das Gym existiert, dort sind sogar ein paar Menschen außer uns.
Trotzdem sind wir froh, als wir nach dem Training wieder rauskommen, zurück ins Tageslicht. „Nicht mehr lebendig, und doch noch nicht tot“, irgendwo in einer Zwischenwelt – so etwa würde ich diesen Ort und das Gefühl in diesem Hotel vermutlich beschreiben.

Video im creepy Hotel

Flower Festival goes Lichterfest at night

Abends begeben wir uns wieder unter die eindeutig Lebenden auf dem Flower Festival. Während man tagsüber die wunderschönen Blumendisplays bewundern kann, wird der Park abends zur Lichtshow umgemodelt. Außerdem gibt es eine Laser-/Wassershow – ein Träumchen und ein perfekter Abschluss für den Aufenthalt in Chiang Mai.

Alles funkelt und im Hintergrund ist thailändische Live-Musik zu hören
Licht- und Tonshow untermalt vom Springbrunnen

Sonntags geht es für uns weiter nach Pai, ein Örtchen mit 2.500 Seelen. Die Strecke dorthin: kurvig. Die nächsten drei Stunden werden durch 762 Kurven düsen und durch den Minivan schütteln. Reisetabletten werden dringend empfohlen – hoffen wir mal, dass alle im Bus standfest sind. Wish us luck! 🤞

Hinterlasse einen Kommentar