Pai

Die Anfahrt nach Pai war… kurvig. 12goasia warnt schon auf der Buchungsseite vor der Fahrt von Chiang Mai nach Pai und empfiehlt es, vorab Reisetabletten zu nehmen. Ok ok, dann machen wir das eben – sollen ja immerhin über 700 Kurven auf der Fahrt geben, die gerade mal 3 Stunden dauert. Schon am Busbahnhof sehen wir, wie der Großteil der anderen Wartenden sich ebenfalls Reisetabletten genehmigt.
Die Busfahrt verläuft erstaunlich „entspannt“, denn es wird keinem schlecht und – alle ratzen, ein Hoch auf die Reisetabletten! Dass alle schlafen, habe ich auch nur gesehen, weil ich zwischendurch kurz wach geworden bin (ich habe beim Schlafen im Sitzen nämlich die Körperspannung einer gekochten Spaghetti und werde gerne wach, wenn mir zum x-ten Mal der Kopf nach vorne kippt).

Die Anfahrt war also in Ordnung und gegen Ende -als ob es ein Signal gegeben hätte- erwacht der Bus langsam wieder synchron zum Leben. Sieht schon anders aus hier, sehr viel ländlicher, einfacher, in Summe auch einfach weniger besiedelt. Klar, ist ja auch keine Großstadt, sondern ein Dorf – aber man hat ja trotzdem meistens gewisse Vorstellungen. Ich hab‘ mir vermutlich Plittersdorf vorgestellt, aber sieht doch etwas anders aus hier. Überraschung!

Die Ankunft in Pai selbst war dann eher unerwartet. Wir haben nämlich gehört, dass Pai „richtig schön und meeegaaa entspannt“, „ein total hübsches Dörfchen umgeben von Feldern und Natur“ wäre.

Was wir stattdessen zuallererst gesehen haben, waren jede Menge Touristen und zero Locals auf einem täglich stattfindenden Nachtmarkt, gekleidet in Elefantenhosen und gut die Hälfte davon mit Joints zwischen den Lippen. Und während das natürlich alles vollkommen ok ist, ist das einfach nicht so richtig meins. Not my vibe wie die Jugend heute sagen würde. So far, so underwhelming. Aber immerhin wissen wir jetzt, worauf sich „entspannt“ bezogen hat in den Beschreibungen von Pai.

PLOT TWIST

Nach den anfänglichen Fragezeichen in meinem Kopf, warum wir hier direkt für eine Woche im Voraus gebucht haben, entdecken wir in den kommenden Tagen nach und nach, wie schön Pai eigentlich ist und warum uns dieses Örtchen mehrfach empfohlen wurde.

Zugegeben, der Nachtmarkt für die Touris war sicher auch nicht der beste Ort, um sich ein Gesamtbild zu machen. Aber es war eben der allererste Eindruck nach der Busankunft und ich kann mir schneller ’ne Meinung bilden, als Lucky Luke schießt. Immerhin bin ich auch immer bereit mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen bei geeigneter Beweislage. 😇

Drei Tage später haben wir also ein nettes Café zum Arbeiten, einen Co-Working Space und schon ein paar kleine Lokale mit authentischer thailändischer Küche gefunden, außerdem sind wir mit unserem neuen Mietroller mobil und nicht nur auf fußläufige Ziele beschränkt. Ich glaube, ich mag Pai richtig gern. Ein Hoch auf zweite, dritte und vierte Eindrücke!

Nochmal zwei Tage später: Wir haben noch vor Ablauf der ersten Woche um eine zweite Woche verlängert und sogar einen Teil unserer Buchungen verfallen lassen, weil uns Pai so gut gefällt (ja, auch mir).

MUAY THAI

Einmal schaffen wir es sogar morgens zum Muay Thai – mittags ist zu heiß, aber abends/nachts/morgens ist es hier in Pai angenehm kühl. Also ab zum schweißtreibensten Sport des Universums. Es macht wieder richtig viel Spaß und ist außerdem deutlich humaner als die Trainingseinheit in Chiang Mai. Immer wieder wird die Technik erklärt, die Trainer üben mit uns (wir sind nur etwa 10 Schüler) und es gibt immer wieder kurze Verschnaufpausen.
Die Einheit fühlt sich wirklich gut an, ohne Dauerpuls bei 480, und vollkommen motiviert verabschiede ich mich mit den Worten „Bis morgen!“ 😂
Wie das geht, weiß ich nicht, aber selbst nach der -gefühlt- gediegenen Einheit habe ich in den Tagen danach schon wieder Muskelkater, dass es kracht. Aus „Bis morgen!“ wurde also leider „Auf nimmer Wiedersehen!“. Schade, aber wenigstens einmal haben wir den Trainer kennengelernt, den Ben sogar in einer National Geographic Doku gesehen hat.

Außerdem lernen wir bei der Muay Thai Stunde, dass gerade Smoking Season ist. Wir lachen und sagen sowas wie „ja, haben wir schon gemerkt, dass hier überall und ständig smoking season ist 🥦“ . Die Smoking Season bezieht sich allerdings auf die Bauern, die ihre abgeernteten Felder abbrennen, um sie für das neue Erntejahr vorzubereiten. Achsoooo 💡 Ok, jetzt wissen wir auch, warum es hier häufiger mal raucht und die Luft gelegentlich so nebelig (aka. rauchig) scheint.
Außerdem lerne ich (richtig fix, nach über 4 Wochen in Thailand. Ben wusste das schon und hat nichts gesagt), dass wir hier in Thailand in der Zukunft leben! Ja Freunde, richtig gelesen – und zwar nicht nur, weil wir in Thailand 6 Stunden vor der deutschen Zeit sind, sondern weil man hier bereits das Jahr 2567 schreibt! Also – Grüßle aus 2567 nach 2024, benutzt ihr noch Wearables oder habt ihr den Bildschirm schon in der Retina platziert?!
Zugegeben, die 2567 ist nach dem buddhistischen Kalender. Nach gregorianischer Zeitrechnung ist hier auch „nur 2024“. Verrückt finde ich trotzdem, dass man hier neben zwei Schriftarten (lateinisch und อักษรไทย) auch noch in zwei unterschiedlichen Jahren denkt. 2567 für die einheimische Bevölkerung und 2024 für die Touristen, damit die die Datumsangaben auch verstehen.

PAI-RADISE UND NEUE VORSÄTZE

Pai ist flächenmäßig gefühlt ziemlich groß, hat aber nur einen relativ kleinen Ortskern inklusive der Walking Street (auf der jede Nacht der Markt stattfindet) und franst nach außen hin eher aus. Weiß auch nicht genau, wie ich das beschreiben soll. Aber die Ortsgrenzen wie bei uns gibt es hier nicht. Da denkt man also, man hat Pai hinter sich gelassen und dann kommen wieder Häuschen und Lädchen und noch drei Cafés dazu. Macht es zwar etwas weniger übersichtlich, aber dafür umso abwechslungsreicher.

Dank Roller entdecken wir also einige ganz neue Ecken und die Umgebung von Pai. Und bis auf die Walking Street bei Nacht ist es wirklich einfach richtig schön hier.

An dieser Stelle: DANKE für die wunderbare Empfehlung nach Pai zu reisen 🙏

Für die zweite Woche in Pai haben wir uns eine andere Unterkunft gesucht, am Ortsrand auf der gegenüberliegenden Seite von Pai. Die neue Hood ist wirklich tiefenentspannt und bietet außerdem das beste Café direkt neben der Unterkunft.

Aprospos Café: Orangen-Kaffee ist vor allem im Norden Thailands ein Ding und der absolute Knaller! Das ist -wie der Name schon vermuten lässt- Orangensaft mit schwarzem Kaffee (Americano). Meine erste Tasse in Chiang Mai fand ich ja doch eher gewöhnungsbedürftig, aber weil das immer so hübsch ausschaut im Glas, hab ich es eben doch nochmal versucht… zwischenzeitlich kann ich nicht mehr sagen, wieviele Orangen-Kaffees ich schon getrunken habe, aber das Zeug ist der Sh*t!

Mein etwas verspäteter Vorsatz für 2024 wird außerdem, neben mehr Orangen-Kaffee zu trinken, der Folgende: Wieder mehr unbekanntes ausprobieren und offener an Dinge herangehen (denn: es könnte ja richtig gut werden).
Ich merke hier nämlich, wie ich etwas zu oft nach Dingen „suche“, die ich schon kenne. Das möchte ich in 2024 wieder aktiv ändern und die Komfortzone noch viel öfter verlassen (und folglich vergrößern). Danke an Ben, der so offen auf neue Situationen/Dinge/Menschen zugeht und mich damit sehr inspiriert!
Vielleicht findet sich ja der eine oder die andere von euch in einer ähnlichen Situation – falls ja, 2024 wird unser Jahr! 💪😃

AUF NEUEN PFADEN I

Nachdem Ben unser Gepäck in Etappen von der einen zur anderen Unterkunft gedüst hat, versuchen wir noch Geld zu besorgen, um die neue Bleibe auch gleich zu bezahlen. Turns out, an Wochenenden sind die Geldautomaten meist blank wegen der vielen Wochenendtouristen. Das erfahren wir aber erst, nachdem wir schon fünf ATMs angesteuert haben. Spannend!

Gepäcktransporte GbR

Nach Abenteuer 1 des Tages geht es für uns noch eine Runde wandern. Ben hat zwei schöne Routen gefunden, bei einer wird aber von vielen freilaufenden Hunden gesprochen (die gibt es hier eigentlich überall reichlich in den Straßen). Die streunenden Hunde hier sind allermeistens wirklich brav oder interessieren sich gar nicht für die Menschen um sie herum. Ich hab aber trotzdem grundsätzlich Respekt vor Hunden und muss es nicht drauf anlegen. Wir nehmen also stattdessen die bergige Route über Stock und Stein.
Angegebene Dauer: etwa 3 Stunden bei zügigem Tempo, wir starten die Tour um 16 Uhr. Die Sonne geht unter um 18 Uhr… Merkste selber, ne?
Den ersten Teil durchs Dickicht kommen wir langsam voran, ich halte nämlich akribisch nach Spinnhuddeln und den dazugehörigen Achtbeinern Ausschau (Mama, du kannst weiterlesen – es kommen keine Bilder).
Auf einer ähnlichen Wanderung vor 6 Jahren hatten wir nämlich eine riesige Spinne auf Ben’s Gesichtshöhe zwischen zwei Bäumen hängen. Die haben wir damals rechtzeitig gesehen und das darf auch dieses Mal gerne so bleiben.
Wir bleiben zum Glück verschont, und bis auf ein paar kleinere Springspinnen auf dem Boden sehen wir keine anderen. Wir sehen zum Glück auch sonst nichts, was man im thailändischen Dickicht vermuten könnte. Liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass uns die Naturbewohner schon 5km gegen den Wind gehört haben, weil das großblättrige Laub am Boden richtig Lärm macht beim Drübergehen.

Als gegen 17.30 langsam aber sicher die Sonne anfängt zu sinken, geben wir nochmal Gas. Im Dunkeln über Stock und Stein durchs Unterholz zu marschieren ohne Lampe scheint uns beiden eine dümmliche Idee zu sein. Wir haben Glück, denn der letzte Teil der Strecke führt an einer Straße entlang – da ist es dann auch nicht mehr so wild, dass es dunkel wird. Als wir endlich am Roller ankommen, kommt plötzlich lautes Gebell aus dem Dunkel immer näher – so schnell saßen wir noch nie auf dem Roller und sind davon gedüst. Abenteuer 2 für diesen Tag hätten wir also auch erfolgreich absolviert.

AUF ABENTEUER FOLGT ENTSPANNUNG

Nach der Wanderung wird erstmal gewaschen – und weil wir die Einstellung vom Trockner nicht schnallen, brauchen wir etwa 5 Durchläufe, bis endlich alles trocken ist (und ja, die Jeans passt zum Glück noch). Unser Aufenthalt in der Waschstation dauert dann auch nur etwa 3 Stunden, aber wir sind vorbereitet und schauen Serien am Laptop nebenher. Natürlich gäbe es hier auch Wäschereien, aber es nervt mich zu sehr vorher zu prüfen, was ich abgebe und was ich zurückbekomme. In Mittelamerika haben nämlich ein paar Teile rotiert, da hatten wir fremde Teile in unserem Waschbeutel und gelegentlich hat dann auch ein Teil von uns den Weg zu wem anderes gefunden. Nichts tragisches, aber trotzdem unnötig. Also wird auf meinen Wunsch selbst gewaschen, Ben liebt’s 😎

Da wir erst nach Mitternacht vom Waschen zurückkommen, wird am nächsten Tag dann auch erstmal ausgeschlafen. Danach gibt’s Frühstück in einem der vielen Cafés und Ben kann sogar das erste Mal ganz entspannt und nicht mitten in der Nacht einen Superbowl anschauen. Heute läuft’s!

AUF NEUEN PFADEN II

Bei einem der unzähligen Matcha-Lattes mit Hafermilch (Ben) und Orangen-Kaffees (ich) haben wir auch die Reiseroute nochmal überprüft und geplant, wie es weitergehen soll. Ihr ahnt es schon, wir haben natürlich nochmal einiges über den Haufen geworfen. Nachdem wir nämlich etwa jeden unserer Stops hier in Thailand verlängert haben, geht unser 60-Tage-Visum langsam dem Ende entgegen und die Gesamtreisezeit wird davon auch nicht länger. Ben „muss“ Ende April wieder zuhause sein und bis dahin wollen wir noch einiges zusammen sehen. Laos steht noch mit Fragezeichen auf der Route, aber für Kambodscha wird das alles viel zu knapp 😦

Aber nur eine Stunde Recherche später streichen wir auch Laos von der Liste. Das ist nämlich richtig viel Busfahren für gerade einmal eine Woche, die wir für Laos hätten. Das Verhältnis Bus:Aufenthalt wäre damit fast bei 1:1, ungeil. Außerdem wären die Aufenthalte eher Durchreise als „das Land entdecken“. Und nachdem sogar die Buchungsplattform 12goasia vor der Reise mit dem Bus von Laos nach Vietnam „warnt“, lassen wir das sein. Das ist im übrigen keine Warnung vor Kriminalität, sondern vor der Busfahrt selbst:

Klingt berauschend, muss aber auch nicht sein für 23h (+ >3h Verzögerung). Stattdessen werden wir direkt nach Hanoi fliegen und uns von dort wieder an Land fortbewegen. In Hanoi wollen wir dann Roller mieten und in Eigenregie am Steuer durch Vietnam düsen, von Hanoi im Norden nach Hồ Chí Minh Stadt (Saigon) im Süden. Schauen wir mal, was wird.

Das ist aber auch noch Zukunftsmusik – jetzt geht es für uns erstmal weiter nach Chiang Rai bevor wir Vietnam unsicher machen ✌️

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