
Bangkok 07. – 20.01.2024
Bangkok here we come!
Von Ko Yao Yai werden wir morgens abgeholt, mit der Fähre ans Festland geschippert und von dort geht es in zwei unterschiedlichen Bussen bis nach Surat Thani, dort kommen wir am Nachmittag an. Erst am nächsten Morgen geht es mit dem Langstreckenbus von Surat Thani bis nach Bangkok, die Fahrt dauert nämlich rund 9-10 Stunden.
Die Zwischenübernachtung verbringen wir damit, die angeblich nahe gelegene Mall zu suchen. In unserem Viertel (direkt beim Busbahnhof für den nächsten Morgen) ist nicht viel zu sehen und wir haben keine allzu große Lust, quer durch die Stadt zum einzigen Tempel zu düsen. Warum wir so lange suchen nach dem einzigen riiiiesigen Gebäude in unserer temporären Nachbarschaft? Weil wir vier (!) mal nach dem Weg fragen und vier (!) mal in die Pampa geschickt werden. Was auf Google Maps nicht mal 10 Minuten zu Fuß waren, waren schlussendlich gut 45 Minuten und das auch nur, weil wir am Ende über eine Mauer geklettert sind, um auf den Parkplatz der Mall zu kommen. So schnell frage ich niemanden mehr nach dem Weg.


Am nächsten Morgen um 7.30 Uhr ist Abfahrt nach Bangkok, gegen 18.30 Uhr sind wir schlussendlich auch in unserem Hotel. Der erste Eindruck ist gemischt, das Studio ist ok aber weit nicht so schön wie auf den Fotos, nicht so 100%ig sauber und es müffelt ein wenig. Gut, dass wir schon eine volle Woche im Voraus gebucht haben 😄 Dafür ist die View aus dem 16. Stock umwerfend und wir sind trotzdem schockverliebt in die Stadt.



Nachdem die Rucksäcke abgelegt sind, gehen wir nach dem Tag im Bus erstmal eine Runde spazieren, die Füße vertreten und unsere neue Hood Din Daeng auskundschaften. Das Viertel ist ähnlich wie die Unterkunft: ganz ok, aber nicht sexy. Großes Highlight des Abends ist das Hot Pot Lokal genau gegenüber des Hotels, da gibt’s einen Hot Pot für Ben und für mich spicy salads. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich scharfes Essen liebe. Und ich bin -vermutlich weil ganz schön groggy- so mutig und bestelle mir in Thailand in einem local Restaurant (kein Touristen Spot) scharfes Essen… Es schmeckt großartig, aber ich vergieße so einige Tränen beim Essen, mein Mund fühlt sich an wie die Hölle höchstpersönlich und ich übe Resilienz auf höchstem Niveau, weil ich das Wasser vor mir natürlich gerne trinken möchte und es dennoch nicht tue.
Für alle, die es nicht wissen: Getränke auf Wasserbasis lindern den Schmerz nur ganz kurz und verteilen stattdessen die Schärfe sehr wirksam überall wo es vorher noch nicht gebrannt hat, trust me I tried. Wenn das Essen also scharf ist, trinkt was anderes oder am besten gar nichts. Dann geht’s am schnellsten wieder.
Fast forward: in etwa 10 Tagen werden wir wieder hier essen und dasselbe bestellen. Diesmal ohne eine einzige Träne. New spicy skills unlocked!


Das war VOR dem Essen


Montags nach unserer Ankunft sind wir mit dem Laptop am Start, es ist wieder Zeit zu arbeiten. Wir suchen uns deshalb einen Co-Working Space und können dort den Tag über testweise arbeiten (das dürfen wir nur, weil wir eigentlich die ganze Woche dort bleiben wollen – entscheiden uns aber schlussendlich aus mehreren Gründen dagegen).
Stattdessen entscheiden wir uns dazu, wie viele andere hier, in den Starbucks Filialen zu arbeiten. Der Kaffee ist zwar deutlich teurer als überall sonst, aber lecker, die Internetverbindung ist stabil und die Atmosphäre sehr gut. Zuhause meide ich Starbucks, aber hier finde ich es überraschenderweise ganz angenehm – jedenfalls zum Arbeiten. Das werde ich zuhause vielleicht auch mal testen, so als externes Büro.
Über die nächsten Tage finden wir langsam aber sicher in einen ganz guten Flow aus Arbeit, Entdeckungstour und Nichtstun. Zugegeben, wir entdecken noch etwas mehr und arbeiten etwas weniger als geplant war… Allerdings sind wir ja nicht alle Tage in einer 10 Millionen Metropolregion. Da kann man vor lauter Staunen schonmal den Rest um sich vergessen. Es pendelt sich aber ganz gut ein, dass wir Vormittags in unserem Studio arbeiten und nachmittags die zweite Schicht im Starbucks erledigt wird. „Unsere“ Starbucks Filiale liegt außerdem ganz gut, um von dort nachmittags noch Dinge zu unternehmen.








Je länger wir in unserer Unterkunft sind und je besser wir uns in der Nachbarschaft auskennen, desto besser gefällt es uns hier. Der Muff vom ersten Tag ist nach zwei Tagen so ziemlich verflogen (vermutlich war das Zimmer länger nicht vermietet/bewohnt/belüftet worden), und die Nachbarschaft bietet deutlich mehr, als wir anfangs bemerkt haben.
Die Ecke ist nicht besonders touristisch, was es für uns am Anfang ein wenig schwieriger gestaltet – aber ganz schnell auch den Charme der Nachbarschaft ausmacht, gerade weil es hier nicht so touristisch ist. Es gibt keine Gehwege und sämtliche Gefährte brausen zu dicht an einem vorbei, Restaurants sind versteckt anstatt mit Leuchtreklame angepriesen, kaum jemand spricht überhaupt Englisch, Shops gibt es keine außer die 7eleven Supermärkte – aber davon gibt es reichlich und an jeder Ecke.
Wer die 7eleven Kette nicht kennt: das sind meist sehr kleine Supermärkte, ein bisschen wie die Edekas auf dem Dorf. Gute 20-80qm gefüllt mit den wichtigsten Dingen des täglichen Lebens, kein SchnickSchnack. Nicht zu vergessen die Theken, an denen man sich die gerade gekauften Instantsuppen oder Tütensandwiches direkt zubereiten lassen kann. „Make hot?“ „Yes please, make hot, kop kun ka.“
Abgesehen von den 7eleven Märkten gibt es in unserer Nachbarschaft unendlich viele kleine Nähereien, oftmals 5, 6, 7 Stück nebeneinander, die allesamt aussehen wie umgeräumte Garagen. An jeder Wand stehen einige Nähmaschinen, an denen fleißig bis in die Nacht gearbeitet wird. Ich habe auch das erste Mal gesehen, wie ein Stapel Stoffstücke mit einer Art Stichsäge zugeschnitten wurde zur Vorder- oder Rückseite eines T-Shirts. Dass die Kleidung großer Modelabels nicht von Hand ausgeschnitten, genäht und bestickt werden, ist mir natürlich klar. Aber das allererste Mal habe ich das Gefühl einen winzig kleinen Einblick in die (Massen-)Textilverarbeitung zu bekommen. (Natürlich ganz zu schweigen von den Textilfabriken in China und Bangladesh… aber als wir die vielen Nähereien und den Mann mit der „Stoffstichsäge“ sehen, wie er sicherlich über 100 Lagen Stoff auf einen Schlag zuschneidt, fühlt sich das trotzdem an, wie ein Einblick hinter die Kulissen.)







Diese Aussichten hier… kriege kaum genug
Natürlich gibt es in Bangkok noch jede Menge mehr zu sehen und zu tun. Wir beschränken allerdings auf wenige Dinge davon, denn unser Fokus ist eben doch zu arbeiten tagsüber.
Und obwohl wir das Gefühl haben, für unsere Unternehmungen immer irgendwie in dieselbe oder ähnliche Richtung der Stadt zu fahren (noch weiter nach Downtown), sind unsere angepeilten Stops doch allermeistens noch über 30 Minuten mit dem Auto voneinander entfernt. Auf Maps sieht das irgendwie immer näher aus, aber die Dimensionen dieser Stadt im echten Leben sind einfach gigantisch und auf Google Maps ,jedenfalls für mich, überhaupt nicht greifbar.
Was außerdem verrückt ist hier, ist der Verkehr. So viele Autos, Busse, TukTuks und Roller auf einem Haufen sind für mich kaum vorstellbar. Rollertaxi ohne Helm, viel zu schnell und ohne jede Regel – gäb’s daheim nicht. Vielleicht gefallen uns die Rollertaxis gerade deshalb so gut, who knows. Aber man muss ehrlich zugeben, eine große Portion Respekt ist auch immer dabei – die Rollertaxis fahren nicht nur mit dir in den Gegenverkehr, um die Route abzukürzen, sie düsen auch volle Lotte zwischen den Autos durch. Und damit meine ich nicht, sie schlängeln sich wie in Deutschland durch größere Lücken im Verkehrsfluss. Nein, wenn zwei Autos parallel nebeneinander herfahren, dann düsen die genau durch die Lücke in der Mitte. Needless to say, wir haben unsere Knie immer sehr eng am Roller, damit sie nicht irgendwo hängen bleiben. Dafür sind Rollertaxis aber auch wirklich deutlich schneller am Ziel und deshalb häufig Mittel der Wahl, nicht nur für Touris wie uns, sondern eben auch für die Einheimischen. Die sitzen allerdings weniger fest auf den Rollern, sondern sind da sehr abgeklärt. Die Locals sitzen zu dritt auf den Rollern, sie sitzen wie früher im Damensattel mit beiden Beinen auf einer Seite, sie sitzen so weit hinten, so dass sie schier runterfallen – und all das mit einer Gelassenheit und ohne sich am Fahrer oder dem Roller festzuhalten, es ist faszinierend.
Weil es zu viel und gleichzeitig zu unspektakulär ist, um viel dazu zu schreiben… gibt’s hier einfach eine Sammlung von Bildern der zwei Wochen in Bangkok:












ruckelige Busfahrt





die macht fröhlich


Muay Thai Boxing Stadium











Ein Klassiker der asiatischen Küche












Am Wochenende machen wir uns dann auf zum Chatuchak Markt, einem der größten Märkte in Südost-Asien und angeblich dem weltweit größten Wochenend-Markt. Also auf jeden Fall ein sehr großer Markt in einer sehr großen Stadt mit über 15.000 Verkaufsständen verteilt auf 14 Hektar (oder 142 Tsd. Quadaratmeter). Absolut beeindruckend! Wir laufen eine ganz Weile über den Markt, kundschaften die Futtermeile aus und genießen die Atmosphäre.





Nach dem Markt haben wir noch nicht genug von Menschenmassen und deshalb geht es für uns auf die Khao San Road, DIE Partymeile Bangkoks für Touristen. Ich fühle mich direkt zurückversetzt nach Phuket, denn laute Musik scheppert links und rechts aus den Clubs und Bars, dazwischen viele kleine Essensstände, Tarantel- und Skorpion-Snacks am Spieß und immer wieder Massagefabriken, wo man gemütlich bei 180 Dezibel Umgebungslautstärke neben 46 anderen Weißbroten massiert wird. Nice, das machen wir!
Ja, haben wir wirklich gemacht. Die Fußmassage tut nach einem langen Tag auf den Beinen aber tatsächlich sehr gut. Ich hab sogar die Augen zugemacht, um besser abzuschalten – hat sogar fast funktioniert 🙂 Das mit dem Abschalten bei einer Fußmassage ist bei mir allerdings sowieso schwierig, ich bin nämlich schrecklich kitzelig an den Füßen – wer also ständig unfreiwillig kichern muss oder versucht, sich zusammenzureißen, bin natürlich ich. Der Masseur nimmt es aber gelassen und lacht mit.
Nach einem Bierchen für Ben und einer Cola für mich ist dann aber auch Schluss auf der Khao Sauf, es darf jetzt wieder etwas ruhiger werden.






Wir besuchen außerdem einen Floating Market auf der anderen Flussseite Bangkoks. Und der Stadtteil hinter dem Chao Praya gestaltet sich sehr viel ruhiger, als der Part, in dem wir uns die ganze Zeit herumtreiben. Auch schön zur Abwechslung. Kaum am anderen Ufer angekommen, mieten wir uns Fahrräder und düsen in Richtung des Floating Marktes. Was wir nicht wussten: Der Floating Market floatet eher weniger und steht stattdessen ziemlich stabil auf Betonstelzen im Wasser. Macht aber gar nichts, ist nämlich trotzdem sehr schön hier und deutlich weniger touristisch als der Chatuchak Markt beispielsweise.
Am Rand des Markts ist außerdem ein ältere-Damen-Kaffee-Treff, da wird gesungen -schief aber mit viel Freude- und geschunkelt und es macht unfassbar gute Laune alleine vom Zuschauen.
An dieser Stelle kann man auch mal erwähnen, dass das besonders Schöne an Thailand ja nicht nur die Natur sondern vor allem die Einheimischen sind. Immer sehr freundlich (auch wenn man sich nicht durch Sprache verständigen kann), immer gut gelaunt, hilfsbereit, einfach richtig nett. Und es fühlt sich hier -im Kontrast zur Reise letztes Jahr- alles sehr sicher an. Wir waren auch mehrfach in dunklen Gassen unterwegs (nie absichtlich, aber sowas lässt sich kaum umgehen, wenn man sich nicht auskennt), aber das ist hier irgendwie ok. Zumindest hat es sich so angefühlt.







Nach dem Markt radeln wir noch eine Weile durch den Sri Nakhon Khuean Khan Park und schnuppern frische Luft nach all dem Stadtleben. Wir wissen jetzt: der Feinstaub in Stuttgart ist nichts im Vergleich, und würde in Bangkok wahrscheinlich als purified air durchgehen.





für’s Shooting genutzt


Danach geht es zurück zum Fahrradverleih und über den Fluss. Diesmal gibt’s es aber keine Fähre zurück, bei der man einen halben Meter über dem Wasser schwebt, sondern eine Nussschale nur für Ben und mich, bei der man eher 20 cm unter dem Wasserspiegel sitzt. Der Seebär mit den rauen Händen macht eine Handbewegung zu uns, die man zuhause eher mit „geh weg“ interpretieren würde – hier heißt das wohl, „komm her und bring das Geld mit“.
Wir zahlen also 40 Baht (etwa 1€) und werden übergeschippert in einem Affenzahn in der besagten Nussschale. Die Überfahrt dauert nur etwa 1-2 Minuten, aber ich bete innerlich, dass wir nicht umkippen oder auch nur ein Kürvchen fahren, weil ich befürchte, dass sonst die 3 cm Boot, die aus dem Wasser ragen, vollends verschwinden.
Die zweite Woche in Bangkok ist nochmal cooler als die erste. Wir haben die wichtigsten Spots in Din Daeng jetzt gefunden (bspw. einen Waschsalon, eine Wasserauffüllstation, die perfekten Spots zur Lunchbreak, wo es morgens guten Kaffee gibt und wo man die Rollertaxis besonders günstig bekommt) und kennen uns schon beinahe aus. Das Hotelpersonal in der Lobby und beim hauseigenen Fitti kennt uns zwischenzeitlich und grüßt immer ganz nett, das fühlt sich schon beinahe heimisch an.
Einen Nachmittag sind wir in Chinatown unterwegs und haben sogar den exakt selben Spot gefunden, an dem wir vor über 6 Jahren ein Foto gemacht haben. Auf dem Heimweg machen wir noch eine Fährfahrt zum Sonnenuntergang auf dem Chao Praya, leider haben wir davon weniger gesehen als erhofft :‘-) Dafür geht’s noch auf den Jodd Night Market zum Abendessen und wir schauen beim Schneider vorbei, Ben hat sich hier zwei Anzüge anfertigen lassen und ich eine Hose, das wird jetzt anprobiert. Sitzt 1a.










Den letzten Abend in Bangkok besuchen wir in unseren schicken, maßgeschneiderten Teilen noch eine fancy Cocktailbar im 43. Stock. Die Aussicht ist traumhaft und passt perfekt, um sich von dieser vollen, lauten, hochgebauten und chaotischen Stadt zu verabschieden.




Am nächsten Tag düsen wir nach dem Checkout erstmal zur Post und geben unsere Sachen ab. Maßgefertigte Kleidung ist ja schön und gut, aber die Transportmöglichkeiten im Rucksack sind eben begrenzt und knittern soll’s ja auch nicht. Den restlichen Tag verbringen wir am Rechner, bevor es abends dann an den Bahnhof geht. Es geht mit dem Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai in den Norden Thailands.
In den ersten Tagen hätten wir es ja nicht vermutet, aber in den vergangenen zwei Wochen ist uns die Stadt und unsere Unterkunft doch sehr ans Herz gewachsen. Ein bisschen traurig und gleichzeitig neugierig auf die nächste Stadt verabschieden wir uns also von Bangkok – BKK es war uns ein Fest!

und rein in den Zug

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